| |
Erschienen
Kurzgeschichten
Satiren
..das kommt noch..
Roman-Zyklus ‚Stille Genießer’
© Bernie Corrodi
Das
Netzwerk aller Geschichten und Romane ist ein Stammtisch in einer Beiz
wie das in der Schweiz heißt, in einer Gaststätte um EU-kompatibel zu
sein. Das Lokal ist nicht frisch renoviert, seine Wände sind von
Zigarrenrauch gezeichnet, die Fenster gehen zur Strasse hin welche zum
Nachbarsdorf führt. In diesem Lokal steht neben den üblichen Tischen ein
großer, massiver Tisch. Die Tischplatte von den Ärmeln der Gäste
abgeschabt, von Fäusten geschunden und vom Bier gezeichnet. Rundherum
genügend Stühle, echte Stühle keine dubiosen Designerkonstruktionen die
nur den Hämarhoiden Vorschub leistet. Hier treffen sich Männer, mehr
oder weniger regelmäßig, zu einem Kaffee oder einem Bier. Sie wohnen
hier in dieser eher grauen Kleinstadt die einerseits am verlängerten
Rücken der kleinen Grosstadt Zürich liegt, und andererseits das Tor zu
einem schönen Tal Richtung Süden ist. An diesem Stammtisch treffen sich
Handwerker, Kleingewerbler, Angestellte, Witzbolde, Sauertassen,
Flaneure und Schwadroneure. Lokal-Politiker pflegen an solchen Tischen
ihren Filz, die ortsüblichen Säufer betrinken sich sinnlos, und die
Garde der ansässigen Hausfrauen tratscht über Lieschen Müller.
An unserem
Stammtisch treffen sich ein paar Männer mit gemeinsamen Interessen, die
außerhalb von Beruf, Sport und Familie liegen. Es sind Männer die ein
gemeinsames kulturelles Interesse haben. Es sind aber keine
Bildungs-Dünkler, es sind auch keine geldgeile Kunstsammler, denen es
nur darum geht, den materiellen Wert der von ihnen gekauften Werke zu
steigern. Es sind Genussmenschen, barocke Genießer, die alles Schönen
und Erfreuliche lieben – und obwohl sie gelegentlich heftig über die
Damen keifen und zetern – so lieben sie die Frauen über alles.
Meine
sieben Männer
kommen aus unterschiedlichen Berufen, sind unterschiedlich alt und haben
verschiedene soziale Hintergründe. Sie schätzen einander, was sie aber
nicht sehr gut zeigen können, denn sie sind ja nicht schwul, nicht wahr,
also freuen sich ‚nur’ wenn sie sich gelegentlich treffen können. Für
eine Stunde oder zwei, dann trinken sie einen Kaffee oder ein Glas
zusammen, reden miteinander, lachen zusammen und schimpfen über alles
Quere, das ihnen im Alltag vor die Augen kommt. Alle drei Monate tafeln
sie miteinander, sehr gut, das versteht sich. Das ganze Jahr über, bei
ihren Treffen, füllen sie eine Art Sparkasse auf, und trotz ihrer
ausschweifenden lukullischen Abenden bleibt noch Geld über. Damit
sponsern sie kulturelle Aktivitäten in ihrer kleinen Stadt. Diese Männer
sind lustige, manchmal schräge, liebenswerte Zeitgenossen, vor allem
aber stille Genießer.
Meine Männer
treffen sich in Mühledorf, einer kleinen Stadt im Sihltal, das
sich am A*** von Zürich räkelt. Es bekommt darum jeden Grosstädtischen
Furz mit der aus Little-Big-Town hinüberweht. Das beschriebene
Restaurant könnte die alte ‚Krone’ sein, oder die Cafe Bar Jeanette.
Meine Protagonisten finden Sie in meinem weiteren Umfeld, den
Gärtnermeister ebenso wie den Schafhirten, den Wirt, den Buchhalter, den
Immobilienhändler wie auch den Geschäftsführer, die Kleingewerbler, die
Pfarrer und den Fotografen. Alle Frauen, Männer und Kinder haben Bezüge
zu meinem Alltag, leben irgendwie in meiner Nähe. Ich begleite sie in
ihrem Alltag mit einem Augenzwinkern, wie es Busch, Keller oder Böttcher
getan haben. Ich liebe Menschen.
|
|